Aschermittwoch 2027: Ein letztes Kölsch!
Ende Juni fand während des montäglichen Ruhetags der Marktschänke ein weiteres Gespräch mit Freundinnen und Freunden aus dem Initiativkreis Marktschänke statt.
Gleich zu Beginn der Besprechung überraschte Marktschänkenpächter Stephan Kempf die Teilnehmenden mit einer wichtigen Nachricht: Er habe vor Kurzem mit der Handelsimmobilien GmbH CEV der EDEKA sowie mit Landgard eine vertragliche Übereinkunft getroffen. Demnach könne er die Räume der Gaststätte noch bis Karneval 2027 nutzen. Am Aschermittwoch 2027 ist endgültig Schluss mit dem Verkauf von Getränken und Speisen in der Marktschänke. Die letzte Roisdorfer Dorfkneipe wird dann für immer ihre Türen schließen.
Für die Anwesenden kam diese Nachricht wie ein plötzliches Gewitter an diesem Roisdorfer Sommertag. Stephan Kempf erklärte, dass ihm von der CEV angeboten worden sei, das mobile und immobile Inventar der Gaststätte entweder zu behalten und anderweitig zu nutzen oder vor Ort stehen zu lassen. Damit würden für ihn sämtliche Entsorgungskosten entfallen; eine besenreine Übergabe wäre nicht mehr erforderlich.
Entscheidend war für Stephan Kempf vor allem das Ende einer seit Monaten andauernden Unsicherheit über die Schließungs- und Abrissabsichten der EDEKA sowie über die Frage, ob der Mietvertrag für die Marktschänke im Jahr 2026 weiter bestehen würde. Der unternehmerische Druck eines ungeklärten Weiterbetriebs und die Sorge um die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden waren offenbar zu groß geworden, um dem anhaltenden Druck weiterhin standzuhalten.

Damit war Anfang Juli für viele Teilnehmende unmittelbar klar: Ein weiterer Kampf um den Erhalt der Gaststätte erscheint kaum noch aussichtsreich. Durch die indirekte politische Kenntnisnahme der Erweiterungsabsichten der EDEKA-Bananenreiferei im Ausschuss für Stadtentwicklung im März 2025 sowie durch die Ablehnung des Denkmalschutzes durch die Untere Denkmalbehörde und des Bürgermeisters im Jahr 2026 scheinen die Würfel gefallen zu sein.
Der Plan B der Roisdorfer
Da noch nicht feststeht, ob der Zuschussgeber go.Rheinland den Abbruch der Nebengebäude der ehemaligen Versteigerung mitfinanzieren wird, und weil ein Sperrvermerk des Stadtentwicklungsausschusses der Stadtverwaltung derzeit weiterhin einen Abbruch der ehemaligen Versteigerungshallen verhindert, besteht für Roisdorf noch Hoffnung: Auf dem Versteigerungsgelände könnte ein neuer sozialer Treffpunkt entstehen. Ein Team aus Roisdorf hatte sich im Juni gemeinsam mit einem Architekten die Räumlichkeiten angesehen. Das Ergebnis: Teile der ehemaligen Versteigerungsverwaltung könnten trotz vorhandener Vandalismusschäden erhaltungs- und renovierungswürdig sein. Dies gilt insbesondere für Räume im Erd- und Obergeschoss.

Nun sind neben der Bürgerschaft und den Ortsvereinen auch die Stadt Bornheim und die EDEKA aufgerufen, ihren Beitrag zur Verwirklichung eines neuen Treffpunkts in Roisdorf zu leisten. Dies soll ein Schwerpunkt der zweiten Besprechung mit dem Bürgermeister am 20. Juli 2026 sein.
Ein Architekt soll nun eine Nutzungsskizze für die Räume erarbeiten. Dringlich wird die Frage auch durch die kurzfristige Schließung der Roisdorfer Turnhalle wegen baulicher Mängel. Für den TuS Roisdorf könnte damit ein zentrales Problem entstehen: Wo soll der Verein künftig trainieren, wenn die Halle längere Zeit nicht zur Verfügung steht? Wie lange die Schließung dauern wird, ist derzeit offen. Beim nächsten Treffen soll deshalb auch mit dem Vorsitzenden des TuS Roisdorf über mögliche Lösungen gesprochen werden. Der Bedarf geht jedoch weit über den Sport hinaus. Auch Ortsvereine brauchen Räume für Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen, die Roisdorfer Musikfreunde sowie zahlreiche Musikbands in der Region suchen dringend Proberäume. Vor allem das Obergeschoss der ehemaligen Versteigerungsverwaltung könnte dafür eine Perspektive bieten. Voraussetzung bleibt ein belastbarer Businessplan, der Nutzung, Trägerschaft, Finanzierung und Betrieb klar beschreibt. Dazu sollte auch ein Gaststättenausschank im Erdgeschoss gehören — idealerweise unter Nutzung des Inventars der Marktschänke.
Über allen Ideen steht jedoch die Organisationsfrage: Wer übernimmt die Verantwortung für Umbau und Umnutzung der städtischen Immobilie? Der Ortsausschuss- (OAS) Vorsitzende merkte an, dass in der jüngsten OAS-Sitzung bislang nur ein verhaltenes Interesse der Ortsvereine erkennbar gewesen sei, am Aufbau eines Fördervereins mitzuwirken.
Aus dem Gewerbeverein kam der Vorschlag, beim nächsten Gespräch mit dem Bürgermeister auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Bornheim einzubeziehen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Mittelstand könnte sie nach einer tragfähigen Lösung suchen — etwa durch einen Investor. Denkbar wäre zum Beispiel eine gewerbliche Nutzung des Geländes, die nicht allein auf zusätzliche Parkplätze oder ein Hotel setzt. Eine solche Lösung könnte die Situation für alle Beteiligten erleichtern und möglicherweise dazu beitragen, Teile der markanten Schmuckfassade der ehemaligen Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung sowie das frühere Verwaltungsgebäude zu erhalten. Da die Wirtschaftsförderungsgesellschaft den Deal mit dem EDEKA-Fruchtkontor unterstützt hat, könnte sie nun auch bei der Suche nach einer tragfähigen Perspektive für Roisdorf eine wichtige Rolle übernehmen.
An einem sozialen und zugleich wirtschaftlich sinnvollen Treffpunkt für die Roisdorfer Bürgerschaft sollten nicht nur Bürgermeister und Stadtrat Interesse haben, sondern auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft — ebenso wie an der weiteren Entwicklung von Betrieben im Gewerbegebiet Bornheim-Süd.

Meine Meinung:
Die Schließung der Marktschänke ist kein schicksalhaftes Ereignis, sondern das Ergebnis eines politischen Versagens vor Ort. Spätestens mit der indirekten politischen Kenntnisnahme der Erweiterungsabsichten der EDEKA-Bananenreiferei im Ausschuss für Stadtentwicklung im März 2025 sowie mit der Ablehnung des Denkmalschutzes durch das LVR-Amt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bornheim und den Bürgermeister im Jahr 2026 war faktisch entschieden, welchen Interessen in Bornheim Vorrang eingeräumt werden sollte.
Der ungeklärte Weiterbetrieb, die anhaltende Unsicherheit und die berechtigte Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten setzten den langjährigen Pächter der Marktschänke offenbar unter einen Druck, dem er auf Dauer nicht mehr standhalten konnte.
Die politische Verantwortung für diese Entwicklung liegt daher klar bei der örtlichen Kommunalpolitik und bei den zwei Bürgermeistern Christoph Becker und Christian Mandt, die es versäumt haben, rechtzeitig Schutz, Perspektive und Rückhalt für die Marktschänke zu schaffen. HSt.