Bornheimer Bürger und ihre Situation nach dem Unwetter vor über einem Jahr

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Dies ist der letzte Teil einer drei-teiligen Serie über das Starkregenereignis 2021 im Vorgebirge.

Ortsteil Bornheim

Bornheim. Pauline Lubig gehen die Erinnerungen und Erlebnisse vom 14. und 15. Juli 2021 auch heute nicht mehr aus dem Kopf. Die Schäden in den Kellerräumen sind noch sichtbar. Rings um ihr Haus ist die alte Ordnung wiederhergestellt und Besucher können sich nicht mehr vorstellen, wie hoch das Wasser und der Flutschlamm das Grundstück und ihr Haus an der Bornheimer Mühlenstraße bedeckten. Auch die Wohnung im Erdgeschoss stand diesmal bis zu einem Meter hoch unter Wasser.

Anwohner reinigen die Mühlenstraße im Ortsteil Bornheim

Der Bornheimer Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf und auch Bürgermeister Christoph Becker hatten sich unmittelbar nach der Flutwelle und in der Folgezeit mehrfach um ihre Anliegen gekümmert, betont ihr Ehemann Peter Lubig. Doch darüber hinaus hat von den örtlichen Lokalpolitikern keiner bei ihnen oder ihren Nachbarn vorgesprochen.

Es entstand ein Gesamtschaden von rund 40.000 Euro, der weitgehend von der Versicherung übernommen wurde. Die Stadt steuerte aus dem Spendenaufkommen der Bürgerschaft 500 Euro an Soforthilfe bei.

Beide äußerten den Wunsch, dass die Stadt Bornheim entlang ihres Grundstückes eine regelmäßige Reinigung der Sinkkästen und der Abschlagrinne vornimmt. Ebenfalls sollte die Stadt dafür Sorge tragen, dass die Verunreinigungen des Schrammbordes auf der gegenüberliegenden Straßenseite beseitigt werden. Denn die dortigen Laub- und Grasabfälle tragen auch erheblich zur Verstopfung der Abflussrinnen bei Starkregen bei. Eine Kanalreinigung unter dem Bahndamm müsse öfter durchgeführt werden, betonte Pauline Lubig.

Ein großes Dankeschön geht von der Familie Lubig an die Nachbarschaft und ihre Freunde, die am Tag der Flut und auch danach tatkräftig bei den Aufräumarbeiten mit angepackt haben, so Peter Lubig zum Abschluss unseres Gesprächs.

Die gleichen Wünsche an die Stadt Bornheim hat auch ihr Nachbar Heinz Kuhl, der als Erstes in unserem Gespräch bemängelt, dass das Regenrückhaltebecken (RüB) am Umbachweg vor dem Unwettertag völlig zugewachsen und verschlammt war. Erst nach dem Starkregentag im Juli wurde die Fließrinne des Mühlenbaches freigelegt. „Maßnahmen die mindestens einmal jährlich durchgeführt werden sollten und nicht erst alle 10 Jahre.“ Dies ist die dringliche Forderung von Heinz Kuhl an den zuständigen Bachverband Südliches Vorgebirge. Jetzt erst, im Juli 2022 wurde das RüB endlich erneut ausgekoffert und die störende Vegetation beseitigt. Doch der Zulaufkanal des Mühlenbaches ist immer noch bis zu 50 Prozent mit Schlamm und Geröll gefüllt.

Vorbildlich freigeräumt ist ein Regenrückhaltebecken des Dickopsbachverbandes zwischen Sechtem und Keldenich, oben links. Demgegenüber ist das Rückhaltebecken am Bornheimer Umbachweg ein „Biotop“ dessen Bäume und Sträucher, bei einem Starkregen, schnell zum Stauwehr am Zu- und Ablauf werden.

Heinz Kuhl lebt schon seit Jahrzehnten mit der Flutung seines tiefer liegenden Hofes und den angrenzenden Hofräumen. 1,5 Meter hoch stand bei ihm nun das Wasser, so hoch wie noch nie. Schützen kann er sich nicht davor, weil durch die Hofeinfahrt und auch über den rückwärtigen Scheunenbereich die Wassermassen in seinen Hof eindringen. Finanziell sind auch für ihn keine weiteren Belastungen geblieben, da die Versicherung alle Schäden beglichen hat.  Auch er hat 500 Euro Unterstützung von der Stadt Bornheim erhalten. Doch was Heinz Kuhl zum Schluss unseres Interviews noch sehr am Herzen liegt, ist sein herzlicher Dank an die Nachbarschaft, an seine Bekannten und  Freunde. 20 Helfer haben zwei Tage lang im Hof und auch im Haus tatkräftig mit angepackt, Schlamm und den zerstörten Hausrat beseitigt und alles wieder in Ordnung gebracht. Heute sieht man, bis auf die beiden Flutmarken an der Türe, nichts mehr von den Schäden des 14. Juli 2021.

Ortsteil Merten


Merten-Heide. Eine Idylle ist der Hausgarten von Bernardette Lang an der Mertener Ulrichstraße. Wir sitzen mit ihren Nachbarn im Garten und sie zeigt auf ihrem Tablet Fotos vom Tag des Unwetters. Langsam und dann immer schneller sei klares Wasser aus dem an die Grundstücke grenzenden Villewald zu ihren Häusern geflossen. Trotz eines kleinen Schutzwalls und einer Oberflächenwasser-Versickerungsanlage im Garten konnte die anrollende Wasserflut nicht aufgehalten werden. Sie überflutete zuerst die Terrasse und drang dann ins mit Parkett ausgelegte Wohnzimmer ein. Mit einem Hauch von Ironie zeigt Bernardette Lang auf einen Holzstapel klein geschnittener Parkettbretter unter dem Vordach und meint: Mein Heizvorrat für den kommenden Winter. Wenn sie sich die Fotos anschaut, bekommt sie immer noch Gänsehaut. Bei allen Betroffenen geht seit einem Jahr die Furcht vor einer weiteren Flutung ihrer Hausgärten und Wohnräume um, wenn dunkle Regenwolken von Westen eine neue Regenfront ankündigen.

Geflutete Hausgärten und Wohnräume an der Mertener Ulrichstraße

Nach Aussagen der fünf Anlieger liegt Ihre gesamte Schadensquote bei 800.000 bis 900.000 Euro. Nur teilweise wurden die Schäden am Haus und beim Hausrat von den Versicherungen getragen, soweit eine Elementarversicherung bestand. Viele Reparaturkosten mussten die Betroffenen über Kredite vorfinanzieren und warten noch heute auf eine Erstattung aus dem Hilfsfonds des Landes. Frau Lang hat aus dem Hilfsfonds der Stadt 2.000 Euro erhalten. Alle geschädigten Anlieger wissen, dass sie Objektschutz betreiben müssen, um in Zukunft weitere Schäden zu verhindern. Dies wurde auch bei einem Termin im August 2021 mit dem Bürgermeister, Vertretern der Stadt und des Abwasserwerkes zugesagt.
Doch wie so oft liegen die Schwierigkeiten im Detail der praktischen Umsetzung. Ein Hochwasserdeich von nur 80 Zentimetern Höhe und vier Metern Breite wie in Wesseling-Keldenich, der dort die angrenzenden Wohnhäuser vor einem Hochwasser des Dickopsbaches schützt, steht an erster Stelle ihrer Forderung.

Hochwasserdeich in Wesseling-Keldenich


Doch so ein zusätzliches Bauwerk geht nicht ohne eine vertragliche Grundlage, in welcher geregelt ist, wer die Kosten trägt, die Haftung übernimmt und für die nachhaltige Pflege dieses Grünwalls verantwortlich ist. Darüber hinaus müssen alle Grundeigentümer und das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft mitmachen und diesen Vertrag unterschreiben. Seit rund einem Jahr warten nun die geschädigten Bürger auf einen Vertragsentwurf der Stadt. Und da dies voraussichtlich als „Baumaßnahme im Außenbereich“ gilt, könnte auch noch eine Baugenehmigung notwendig werden. In Deutschland ist es nicht einfach, sich rechtsicher zu schützen, so die einhellige Meinung der fünf Flutgeschädigten. Doch sie bleiben daran. Anfang Juli 2022 wurde die Stadt Bornheim erneut an ihre Zusage erinnert, den Vertragsentwurf nun endlich vorzulegen, doch eine verbindliche Antwort oder gar ein Vertragsentwurf lag bis Mitte August diesen Jahres immer noch nicht vor. Alle warten nun sehnlichst auf eine Antwort des Bornheimer Bürgermeisters.
Es geht ihnen dabei nicht nur um ihre eigenen Häuser, sondern auch um den Schutz der Anlieger auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es hat nur noch wenige Zentimeter Wasserhöhe gefehlt, dann wäre die Flut in die Keller- und Wohnräume der gegenüber wohnenden Nachbarn geflossen.

Wenn das Thema Sie weiter interessiert, lesen Sie auch die Beiträge vom 15. August und 14. Juli 2022, u. a. wie heute weiter in  Überflutungsbereichen gebaut wird, einschließlich der neuen Gesamtschule in Bornheim-Merten.

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