Nur noch reife Bananen oder weiter lecker Kölsch im Rosental?
Kaum war das illegale LKW-Parken im Rosental und in weiteren Straßen des Gewerbegebiets Bornheim Süd erfolgreich eingeschränkt worden, so stand zum Jahresende 2025 plötzlich ein weiteres Problem vor der Tür.
Dem langjährigen Pächter der im Rosental verwurzelten MARKTSCHÄNKE flatterte die Kündigung zum 31. März 2026 ins Haus. Nicht nur ein Schock für den Pächter, sondern gleichfalls für alle Gäste des beliebten und mittlerweile letzten Wirtshauses in der Bornheimer Ortschaft Roisdorf. Der Gastronom Stefan Kempf ist Mitglied im Roisdorfer Gewerbeverein und Vereinswirt, wie für viele andere Vereine von Roisdorf ebenfalls.
Was war geschehen?
Die auf dem Gelände der Firma Landgard ansässige Firma EDEKA-Fruchtkontor beabsichtigt dort seine bislang an ihre Kapazitätsgrenze stoßende Roisdorfer Bananenreiferei zur größten Reiferei des Konzerns zu erweitern. Von Roisdorf aus sollen zukünftig alle über 6.000 Standorte des EDEKA-Konzerns mit gereiften Bananen versorgt werden. Für die EDEKA eine umsatzsteigernde Neuorientierung ihrer Marktkonzentration und mit exzellenter Verbindung ans überregionale Autobahnnetz.
Nach einer mutmaßlich positiven Bauvoranfrage der EDEKA bei der Bornheimer Baubehörde, kaufte dieser genossenschaftlich organisierte Unternehmerverbund, mit Sitz in Hamburg, von Landgard große Teile deren Firmengeländes, darunter auch die Gaststätte „Marktschänke“.
Warum ist die Marktschänke an ihrem Standort gefährdet?
Sie steht ganz einfach den Konzernplänen im Wege, weil die EDEKA dort eine neue Straße für eine Umfahrt ihrer erweiterten Halle, mit zusätzlichen Lkw-Fahrzeugen für die Ent- und Beladung von Bananen, vermutlich fest eingeplant hat, wie jüngst in öffentlicher Sitzung des Bürgerausschusses zu erfahren war. Diese Nachricht schockierte im Februar alle Kneipengäste bis ins Mark und es wurde nach Widerstand gerufen. Denn kampflos wollten die Roisdorfer ihren sozialen Treffpunkt nicht aufgeben.

Die heutige Marktschänke ist ein beliebtes Gasthaus, das als ein lokaler Treffpunkt für viele Menschen zwischen Bonn und Brühl dient. Im Inneren wurde seit Jahrzehnten keine Veränderung am Interieur vorgenommen. Die Einrichtung strahlt den Charakter einer längst vergangenen Zeit aus. Dort herrscht noch der Reiz vergangener Zeiten, den man sonst nur noch im Freilichtmuseum Kommern findet.
Die Marktschänke beherbergt unter anderem Proberäumlichkeiten der Roisdorfer Musikfreunde, Familienfeiern werden durchgeführt, ein Biergarten lädt im Außenbereich zum Verweilen ein und in einem kleinem Nebenraum finden Vorstands- und Mitgliederversammlungen der örtlichen Vereine statt. Ein typisches Wirtshaus im Veedel, somit ein sozialer Ort an dem man nicht nur isst und trinkt, sondern ankommt, verweilt und genießt.


Folglich ist das Geschehen in der Marktschänke auch ein identitätsstiftender Prozess des Zusammengehörigkeitsgefühls. Nicht nur der Menschen des Ortes Roisdorf, sondern auch des gesamten Vorgebirges in dieser Region des Rheinlandes.
Daher überlegten wir, der Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins Dr. Ernst Gierlich und ich -vom Roisdorfer Gewerbeverein, wie wir unsere Kneipe vor dem Abrissbagger retten könnten. Wir sahen nur im Denkmalschutz den letzten Hebel, um die Zerstörung unseres beliebten Treffpunktes zu verhindern. Mit den fundierten Kenntnissen des Historikers Dr. Ernst Gierlich über die Geschichte der Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung und kombiniert mit meiner langjährigen Erfahrung als Stadtrat und Ortsvorsteher machten wir uns ans Werk und stellten im Bürgerausschuss des Rates den Antrag auf Eintragung des Bauensemble in die Bornheimer Denkmalliste. Mit der noch im Originalzustand stehenden repräsentativen Backsteinfassade der Versteigerung, einschließlich der Gaststätte Marktschänke, mit ihrem Interieur.
Doch die Stadtverwaltung als Untere Denkmalbehörde plädierte 2026 erneut auf Ablehnung, weil im August 2010 vom LVR-Amt für Denkmalpflege ein fast identischer Antrag negativ beschieden wurde. Ich hatte einst als Roisdorfer Ortsvorsteher einen ähnlichen Unterschutzstellungsantrag für die Marktschänke und die Versteigerung im Rat gestellt. Der Grund für die städtische Ablehnung meines Antrages im zuständigen Fachausschuss war damals schon eine negative Stellungnahme des LVR-Amtes. Dies schrieb 2010 in seiner Begründung:
„…Vielmehr wurde das historische Hallengebäude (Versteigerung) augenscheinlich in weiten Teilen auf seine Fassade reduziert. Aufgrund dieses reduzierten und durch zahlreiche Umbauten veränderten Bestandes handelt es sich bei der in den 1920er Jahren errichteten Gebäuden des ehemaligen Centralmarktes Bonn-Roisdorf, nach Auffassung des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, nicht um ein Baudenkmal gem. § 2 DSchG NRW.“
Diese knappe Stellungnahme des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland, die keine faktenbasierte Begründung enthält, hat einst und auch noch heute für Dr. Ernst Gierlich und für mich keine überzeugenden Argumente hervorgebracht, aus denen wir eine rechtliche Bindungswirkung für die Verweigerung der Unterschutzstellung erkennen können. Zudem hat sich die denkmalfachliche Bewertung von Industriebauten aus dem 20. Jahrhundert heute im 21. Jahrhundert erheblich weiterentwickelt. Das Denkmalschutzgesetz (DSchG) wurde mehrfach vom Landesgesetzgeber geändert und das öffentliche Bewusstsein für Industriekultur wurde deutlich verstärkt. Die Marktschänke als integraler Bestandteil der Fassade blieb 2010 in der LVR-Stellungnahme gänzlich unerwähnt, obwohl ich 2010 in der Begründung die Innenräume mit Fotos dokumentiert hatte.


Bemerkenswert war in der überholten Stellungnahme des LVR-Amtes auch, dass das LVR-Denkmalamt mit keinem Wort den Ensemblegedanken der ehemaligen Versteigerung berücksichtigte.
Die Fassade und die ehemalige Kantine, heute Gaststätte „Marktschänke“, bilden eine funktionale und sozialgeschichtliche Einheit, sowie einen baulichen und historischen Zusammenhang. Gerade die Versteigerungskantine, die ihre bauliche Substanz aus der Entstehungszeit der Genossenschaft bis heute behalten hat, anders als etwa die öfters umgebauten Versteigungshallen, dokumentiert die Marktschänke die soziale Dimension der genossenschaftlichen Agrar-Organisation von Bauern und Händlern im 20. Jahrhundert.


Wie begründen wir heute den erneuten Unterschutzstellungsantrag für das Bauensemble?
Die ehemalige Obst- und Gemüseversteigerung im Roisdorfer Rosental stellt ein herausragendes Zeugnis der landwirtschaftlichen, wirtschaftlichen und verkehrsgeschichtlichen Entwicklung des Vorgebirges und des Rheinlands im 20. Jahrhundert dar. Das langgestreckte, zur Bahnstation Roisdorf hin ausgerichtete Gebäudeensemble, insbesondere die markante Backsteinfassade aus den späten 1920er und 1930er Jahren, bildet dabei den zentralen identitätsstiftenden Bestandteil und ist in ihrer Substanz akut gefährdet. Sie dokumentiert in einzigartiger Weise den Übergang von der kleinbäuerlichen Direktvermarktung zu einer modernen, genossenschaftlich organisierten Agrarwirtschaft.
Mit dem Bau der zentralen Versteigerungshalle im Jahr 1929 erhielt das Gelände sein architektonisch prägendes Erscheinungsbild. Die repräsentative, abgetreppte Backsteinfassade im Stil des rheinischen Expressionismus steht in einer Reihe mit bedeutenden zeitgenössischen Zweckbauten, etwa den Messehallen in Köln-Deutz. Sie wurde in der Mitte der 1930er Jahre zu ihrem heute noch unverändert erhaltenen Bild ergänzt.
Auch nach dem Funktionsverlust der Hallengebäude in den 2020er Jahren besitzt das Ensemble einen hohen Denkmalwert. Es veranschaulicht beispielhaft die Geschichte der genossenschaftlichen Organisation, der Agrarmodernisierung und der verkehrsgebundenen Marktintegration im Rheinland.

Vor diesem Hintergrund beantragten die Heimatfreunde Roisdorf, zumindest die markante, zur Bahn hin orientierte, Backsteinfassade der ehemaligen Obst- und Gemüseversteigerung, nach Möglichkeit verbunden mit der benachbarten, in ihrer Grundstruktur im Originalzustand erhaltenen ehemaligen Versteigerungskantine, die heutige Gaststätte Marktschänke, als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Bornheim einzutragen. Dies würde das dauerhafte Bestehen dieses bedeutenden Zeugnisses der regionalen Wirtschafts- und Kulturgeschichte sichern.
Eine 10-seitige Expertise wurde mit dem Antragspaket dem Bürgermeister Christian Mandt und den Stadtratsfraktionen zur Kenntnis, zur interfraktionellen Bewertung und zur Beschlussfassung, per E-Mail zugestellt.
Die Untere Denkmalbehörde (UDB) der Stadt plädierte aber weiterhin für eine Ablehnung unseres Bürgerantrages, unter Berufung auf die negativen Auslegungen des LVR-Amtes von 2010.
Obwohl die Fraktionen der Grünen und der UWG bei der ersten Abstimmung im Bürgerausschuss für den Vorschlag der UDB stimmten, fand dieser Antrag keine Mehrheit. Daraufhin stellte der Roisdorf/Herseler Stadtrat und Wahlkreisgewinner Rüdiger Prinz (CDU) den Antrag auf eine erneute Vorlage unseres Bürgerantrages beim LVR-Amt, zur Prüfung auf die Schutzwürdigkeit des beantragten Bauensemble Versteigerung und Marktschänke, aber ohne gleichzeitig dem zuständigen Fachausschuss zu empfehlen, die vorläufige Unterschutzstellung nach § 4 DSchG vorzunehmen.
Dieser CDU-Antrag fand die Zustimmung der SPD und des einzigen FDP-Kollegen. Grüne und UWG enthielten sich der Stimme. Das Ausschussmitglied der AfD war nicht anwesend.
Inzwischen haben sich auch die Lokalmedien des Themas angenommen und in mehreren Artikeln darüber ihre Leser informiert. Der WDR plant einen Beitrag in seiner Lokalzeit, noch vor der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Denkmalausschusses am 11. März.
Petition gestartet
Auch eine Petition wurde von Roisdorfer Bürgern am 2. März angekurbelt, hier können bis Ende des Monats März die Bürgerinnen und Bürger des Vorgebirges mit ihrer Unterschrift, gegenüber dem Bürgermeister, dem Stadtrat und dem LVR-Denkmalamt dokumentieren, dass sie den Erhalt der Marktschänke befürworten. Innerhalb von 24 Stunden waren über 2000 (Stand 8.3.26) Unterstützungsunterschriften eingetragen worden.
