Bornheims Trinkwasserpreise kennen nur eine Richtung, nach ganz oben

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Die Trinkwasserpreise in Bornheim sind augenscheinlich kein Thema mehr in der Öffentlichkeit. Obwohl alle Großabnehmer wie Bäckereien, Metzgereien und diverse Gewerbebetriebe allen Grund hätten, kritisch auf die im Januar 2025 ins Haus flatternden Gebührenbescheide zu blicken.

Ebenso der Haushaltsvorstand der Eigenheimbesitzer und auch alle Mieter, die über die Nebenkosten am Trinkwasserpreis beteiligt werden, sollten bei der diesjährigen Kommunalwahl den Bürgermeisterkandidaten und ihren örtlichen Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis einige kritische Fragen zu den in den letzten 10 Jahren exorbitant gestiegenen Trinkwasserkosten stellen. Siehe hierzu auch weitere LA VILLE-Beiträge mit den Themen:

Ein Beispiel: Zum Jahresbeginn 2023 und 2024 wurde mit der Begründung, dass die Bezugskosten (pro m³) des Wahnbachtalsperrenverbandes (WTV) und des Bornheim/Wesselinger Wasserverbandes (WBV) gestiegen wären, die Trinkwasserpreise für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bornheim ab Januar 2023 auf 2,17 Euro und ab 2024 auf aktuell 2,36 Euro erhöht. Bornheim hat damit weiterhin, einschließlich der Grundgebühr, die höchsten Trinkwasserpreise im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und darüber hinaus.

Im Dezember 2022 beschloss der Stadtrat einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen, mit dem WTV und dem WBV-Gespräche zu führen, unter welchen Voraussetzungen die Bezugskosten künftig gesenkt bzw. eine Kontinuität der Kosten erreicht werden könne. Ferner sollte die Verwaltung anschließend über die Ergebnisse im Betriebsausschuss und Rat informieren. Hierüber informierte im Januar 2023 die SPD-Fraktion in einem Beitrag, hier klicken.

Im Dezember 2024 teile daraufhin die Wasserwerksleitung den Rats- und Ausschuss-Mitgliedern mit, dass für die Stadt ab dem 1. Januar 2025 die Bezugskosten von WBV um 7 Cent und vom WTV um 6,5 Cent sinken werden. Der Wahnbachtalsperrenverband senkte 2025 im gesamten Einzugsgebiet des WTV seine Verkaufspreise.

Hier ein Auszug aus der im Dezember 2024 veröffentlichten Vorlage des Bornheimer Stadtbetriebes (SBB) Nr.: 761-2024-SBB-03 Erfolgsplan:

Wasserbezug (Kosten & Mengen) beim Wasserbeschaffungsverband Bornheim/Wesseling (WBV)

 BezugsanteilEinkaufsmenge gesamtKosten pro m³Bezugskosten
202349,5%1.234.218 m³43 ct/m³ 530.714,-
202449,8%1.350.000 m³37 ct/m³499.500,-
202549,8%1.350.000 m³36 ct/m³486.000,-

… und beim Wahnbachtalsperrenverband (WTV)

 BezugsanteilEinkaufsmenge gesamtKosten pro m³Bezugskosten
202350,2%1.249.301 m³86,57 ct/m³€  1.081.520
202449,8%1.350.000 m³85,40 ct/m³€  1.152.900
202549,8%1.350.000 m³79,96 ct/m³€  1.079.460

Die Stadt Bonn senkte 2025 ihre Trinkwasserpreise.

Von 2,07 Euro brutto pro m³ sanken die Bonner Trinkwasserpreise ab Januar 2025 um 3 Cent auf 2,04 Euro pro Kubikmeter genutzten Trinkwassers, wie die Stadt Bonn in einer Pressemitteilung und auch die beiden Lokalzeitungen ihre Leser informierten.

Dazu die Stadt Bonn in einer Pressemitteilung:

„Der Mengenpreis für unser Wasser sinkt ab 1. Januar 2025 um drei Cent pro Kubikmeter Wasser. Das Bonner Wasser im Verteilungsnetz stammt (zu 100 Prozent Red.)  vom Wahnbachtalsperrenverband. Aufgrund gesunkener Energiepreise für die Förderung vor Ort und den Transport des Wassers nach Bonn wird der Bezugspreis des Wassers aus der Wahnbachtalsperre günstiger. Diese Preissenkung gibt SWB-Energie und Wasser an seine Kundinnen und Kunden weiter.“

Die Stadt Bonn, wie auch Alfter beziehen zu 100 Prozent Trinkwasser vom Wahnbachtalsperrenverband. In Alfter liegt der Trinkwasserpreis ab 2024 bei 1,64 Euro pro Kubikmeter und die Grundgebühr bei 102,72 Euro im Jahr.

Bornheim bezieht nur 50% WTV-Trinkwasser.

Das Wasserwerk rechnet 2025 mit über 1 Mio. Euro (1.079.460 €) Bezugskosten für den Einkauf des Wahnbachwassers. Für den gleichen Mengenbezug aus dem eigenen Wasserwerk des WBV in Urfeld zahlen wir Bornheimer weniger als die Hälfte, voraussichtlich nur 486.000 Euro, wie aus den im Dezember 2024 veröffentlichten Zahlen des Wasserwerkes zu entnehmen war.

Im Bornheimer Wasserwerk Eichenkamp wird der Trinkwassermix vollzogen

Bornheims Trinkwasserpreise steigen in nur 10 Jahren um 52 Prozent und der Grundpreis um 68 Prozent.

Wenn man die Lage vom Ausgangsjahr 2015 an betrachtet, also vor der Änderung des 25-prozentigen Trinkwasser-Mehrbezuges vom Wahnbachtalsperrenverband, kommt man zu einem weiteren ernüchternden Ergebnis. Vor 11 Jahren lagen die Trinkwasserkosten in Bornheim bei 1,55 Euro pro Kubikmeter. Heute bei 2,36 Euro, also um satte 52 Prozent höher, plus der zusätzlich durchgeführten Erhöhungen des Grundpreises für die Betriebskosten des Wasserwerkes um satte 68 Prozent. Von 131,82 Euro im Jahre 2015 auf 221,75 Euro ab 2024.

Trinkwasserpreiserhöhungen in der Stadt Bornheim ab 2015:

Hier auf das Dreieck klicken, um weitere Details zu den konkreten Trinkwasserpreisen ab 2015 zu erfahren.


Inkl. 7% Mehrwertsteuer betrug der Kubikmeterpreis für das Trinkwasser in Bornheim:

2014:1,55 EURO
2015:1,72 EURO
2018:1,82 EURO
2020:1,89 EURO
2021:1,94 EURO
2023:2,17 EURO
2024:2,36 Euro (In 10 Jahren eine Erhöhung um 52 Prozent beim Wasserpreis.)

Inklusiv kommt der fast jährliche gestiegene Grundpreis zur Gebührenrechnung:

Januar ’15:GRUNDPREIS für die Bereitstellung der techn. Einrichtungen: 132,25 €
Januar ’16:GRUNDPREISERHÖHUNG von 132,25 € auf 161,78 € Brutto
April ’17:GRUNDPREISERHÖHUNG von 161,78 € auf 197.35 € Brutto
Januar ’21:GRUNDPREISERHÖHUNG von 197,35 € auf 209,16 € Brutto
Januar ’24:GRUNDPREISERHÖHUNG von 209,16 € auf 221,74 € Brutto
(Bei der Grundgebühr beträgt die Erhöhung 68 Prozent  in 10 Jahren.)

Für die Lieferung von insgesamt 2,5 Millionen Kubikmeter Trinkwassermix (2 x 1,25 Mio. m³) der beiden Wasserverbände sinken die Bezugskosten 2025 insgesamt für die Stadt Bornheim um 118.154 Euro. Trotz der um 6 Cent gesunkenen Bezugskosten beim WTV auf nunmehr 0,80 Euro ab 2025 und des eigenen Wasserverbandes Bornheim/Wesseling (WBV) um 7 Cent auf 0,36 Euro ab 2025, beschlossen die Ratsmitglieder in Bornheim, diese Einsparungen nicht an ihre Mitbürger weiterzugeben.

Doch dies ist nicht das Ende der Fahnenstange. Bornheim droht bis 2029 ein Haushaltsdefizite von bis zu 80 Mio. Euro. Um dies einzuschränken und nicht in den sogenannten Nothaushalt zu rutschen hat die Kommunalaufsicht des Kreises die Stadt aufgefordert, Konsolidierungsmaßnahmen vorzunehmen. Neben einer Erhöhung der Kommunalsteuern ist auch der Gebührenhaushalt jetzt in den Fokus der Haushälter geraten.

Im Juni 2025 wurde den Ratsmitgliedern ein weiterer Vorschlag unterbreitet, die reinen Trinkwasserpreise nach der Kommunalwahl bis 2029 schrittweise zu erhöhen. Angefangen bei 2,57 Euro ab Januar 2026 bis 2,73 Euro ab 2029. Dies wäre dann eine Preissteigerung von 76,7 % in 14 Jahren. Für vertiefende Informationen jetzt hier klicken. Eine Preissteigerungsquote jenseits aller Gehalts- und Rentensteigerung der Bürgerschaft in dieser Zeit.

Was gerne verschwiegen wird ist die Tatsache, dass zu den eigentlichen Trinkwasserkosten jedes Mal auch Abwassergebühren und eine jährliche Grundgebühr anfallen. Zusammen mit dieser Grundgebühr ist gerade für alleinstehende Personen mit schmalem Geldbeutel diese Gebührenerhöhung eine zusätzliche finanzielle Belastung. In der nun folgenden Abrechnung für einen Verbrauch von nur 65 Kubikmetern im Jahr  beträgt der tatsächliche vom Wasser- und Abwasserwerk geforderte Endpreis 8.60 Euro pro Kubikmeter gezapften Trinkwasser.

Prekär: Je weniger Trinkwasser die Kunden verbrauchen umso höher steigt deren zu zahlender Kubikmeterpreis, wegen der hohen Grundgebühr. Erhöht eine Familie hingegen die Kubikmeter Anzahl ihres Trinkwassersverbrauch zahlen sie ebenfalls mehr. Diese sich verstärkende Konfliktdynamik ist ein wahrer Teufelskreis.

Aber für die Haushälter der Stadt ist diese weitgehend in der Bürgerschaft unbeachtete Dynamik ein Dukatenesel. Mit der angedachten Gebührensteigerung soll das städtische Wasserwerk zukünftig bis zu 1,2 Mio. Euro jährlich erwirtschaften und in die Stadtkasse ausschütten. 2024 betrug die Gewinnausschüttung in die Stadtkasse 631.000 Euro.

Auch die mit dem 50/50 Prozentmix erhoffte grundsätzliche Änderung der Wasserhärte hat sich nur minimal verändert. Sie schwankte 2024 zwischen einem Härtegrad von 9 bis 11 Grad und liegt damit wie beim ehemaligen Wassermix von 75% WBV zu 25% WTV-Trinkwasser im mittleren Härtebereich.

Meine Meinung:
Heute blicken die meisten Ratsmitglieder erwiesenermaßen lieber auf das Gesamtergebnis des Wasserwerkes im Erfolgsplan in Höhe von 631.000 Euro Gewinn als auf die Weitergabe der gesunkenen Bezugskosten an die Verbraucher. Gerade für alleinstehende Seniorinnen und Senioren mit geringer Rente oder Alleinerziehende mit schmalem Geldbeutel wäre eine Entlastung zielführend und sozial gerecht gewesen. Doch anstelle eines Verzichts auf diesen indirekten Griff in unser Portemonnaie, werden die erwirtschafteten  Überschüsse dem städtischen Haushalt zugeführt und weitere Gebührenerhöhungen in Erwägung gezogen. Anstatt diese Einnahmen zur Reduzierung des jährlichen Wasserwerk-Kreditvolumens einzusetzen.

Fazit: Im Wesentlichen hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Bornheim nur der Wasserpreis geändert. Die Qualität unseres Bornheimer Trinkwassers ist nach wie vor auch heute hervorragend, nur eben teurer als anderswo. HSt.

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